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Färberkrapp Artikel Blühende Pflanze mit Wurzel
Der Färberkrapp (Rubia tinctoria) ist eine bis zu etwa 1 m hohe traditionelle Färbepflanze. Ihre länglichen oder lanzettlichen, knapp 10 cm langen Blätter tragen an den Rändern und Unterseiten Stacheln. Die kleinen sternförmigen gelben Blüten öffnen sich in dem Sommer.
Die wissenschaftliche Nennung "Rubia" verliehen die Römer dem Krapp, weil seine Wurzel roten Farbstoff enthalten. Färberkrapp ist eine Pflanze aus der Familie der Rötegewächse, zu der auch unsere heimischen Labkräuter und der Waldmeister sowie der Kaffeebaum gehören.
Zum Färben wurden die drei Jahre alten Pflanzen in dem Frühjahr und Herbst ausgegraben, getrocknet und zerkleinert. Frisch ist das Rhizom innen gelb, erst beim Trocknen entwickelt sich der rote Farbstoff. Zusammen mit Alaun als Beize wurde Wolle rot damit gefärbt und mit Eisenbeize erzielte man gelbe Farbtöne.
Der Krapp war einst ein wichtiges Handelsgut zwischen Asien und Europa. Angebaut wurde er bereits in dem Altertum von den Ägyptern – die schon in dem 3. Jh. vor unserer Zeitrechnung Stoffe mit Krapp färbten - und den Römern. Plinius der Ältere erzählt von Krappkulturen, auch in dem Papyrus Holmensis wird er zu dem Überfärben geblauter Wolle zu Purpur vorgeschlagen. Die Benediktiner waren es wohl, die die Pflanze über die Alpen brachten und Karl der Große empfahl dringend ihre Kultur. Große Anbaugebiete gab es in Frankreich, besonders um das kleine Städtchen Senlis bei Paris. In dem 15. Jahrhundert nahm Holland die führende Stellung in dem Krappanbau ein, in den folgenden Jahrhunderten überflügelten es die Franzosen durch intensive Kultivierung in Südfrankreich und in dem Elsass. Als hier der Krappanbau durch die Revolutionswirren nach 1789 zu dem Erliegen gekommen war, befahl Louis-Philippe (1830 – 1848), dass die französischen Soldaten mit Krapp gefärbte rote Hosen zu tragen hätten. Durch diese Anordnung konnte Frankreich den Krappanbau fördern und seine bedeutende Stellung als Lieferant des Farbstoffs zurückerobern. In dem Jahre 1868 kam Krapp in dem Werte von 25 Mio Reichsmark in den Handel. Seit man 1869 den Farbstoff Alizarin auch synthetisch aus Steinkohleteer herstellen konnte, ging der wesentlich teurere Krappanbau drastisch zurück. Erstmals synthetisierten die deutschen Chemiker Graebe und Liebermann den Krappfarbstoff.
Anbau: Bekannte Anbaugebiete waren das Elsass (seit dem 13. Jahrhundert), Baden und die Pfalz. Der Elsässer Krapp, die Hagenauer Röte, war weit berühmt und wurde in bedeutenden Mengen ausgeführt. Sie hat in dem Mittelalter mit zu dem Reichtum der freien Reichsstadt Straßburg beigetragen. Bedeutendes Krapp-Zentrum der Pfalz war die Gegend um Speyer.
Benutzt wurde der aus der Wurzel gewonnenen Farbstoffes, um die traditionelle türkische Kopfbedeckung, den Fes zu Färben. Auch die herrlichen Rot-Farben in Elsässer Trachten waren ca. mit Krapp möglich. Krapp wurde auch in der mittelalterlichen Tafelmalerei eingesetzt, da dessen rotbraunes bzw. rosafarbenes Farbmittel nicht so lichtempfindlich war wie das nuancenreichere Farbmittel aus Ceylonholz, das dementsprechend häufiger in der Buchmalerei eingesetzt wurde.
Für Heilzwecke wird die Wurzel des Färberkrapps eingesetzt. Man benutzt den Färberkrapp früher wegen seiner positiven Wirkung bei Erkrankungen der Harnwege, vor allem bei Nieren- und Blasensteinen, ferner bei Gicht, Rachitis und Blutarmut. Von dieser Verwendung sieht man heute ab, weil die Inhaltsstoffe als krebserregend gelten.
In der Homöopathie wird die aus dem frischen, blühenden Kraut Ur-Tinktur bei Anämie, Unterernährung, Amenorroe und Milzbeschwerden angewendet. (G/O)
Inhaltsstoffe: Wichtigste Inhaltsstoffe sind Di- und Trioxyantrachinon-Glycoside. Diese bilden die kristallisierende, zitronengelbe Ruberytrhinsäure, die das beta-2-Primverosid (Vorstufe) des Farbstoffs Alizarin darstellt. Daneben in kleineren Mengen Rubichlorsäure, Zitronensäure und andere Pflanzensäuren, Gerbstoffe, Pectinstoffe ,, bis zu 15 Prozent Gesamtzucker, Eiweiß und etwas fettes Öl.. (G/O)
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- Schneider, Gudrun; Färben mit Naturfarben, Otto Maier Verlag, Ravensburg, 1979
- Franke, W., / Gessner/Orzechowski (G/O); Losch, Luthmer, Rauh (Lit. Vgl. Nutzpflanzen)
- Franz Eugen Köhler (1887): Köhlers Medizinal - Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte. (Abbildung)
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